Page 2 - Baselbieter Woche Waldenburg - KW 30 - 2024
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SEITE 2 WEITERBILDUNG DIENSTAG, 23. JULI 2024
Wir wollen doch alle das «Gelbe vom Ei»
Immer wieder stehen Ausbil- Tipp 2: Inhalt von Ballast kungsvollsten Methoden, um verkommt zu einem mehrstün-
der/innen und Dozierende bei befreien Informationen zu vermitteln digen Monolog, gespickt mit
Seminaren vor der gleichen Vielleicht schmeckt Ihnen das und bei den Zuhörern Interesse endlosen PowerPoint-Präsen-
Herausforderung: Wie um Eiweiss einfach zu gut und es und emotionale Beteiligung zu tationen. Es ist ein Trugschluss
Himmels Willen bringe ich all fällt Ihnen immer noch schwer, wecken. Im Kontext der Perso- zu glauben, dass die Lernziele
diese Lerninhalte in meinem den Inhalt zu reduzieren. Dann nalentwicklung kann das Ein- so erreicht werden. Gerade Me-
Seminar unter? Stoffreduk- überlegen Sie doch einmal, binden von erzählerischen thoden, mit hoher Teilnehmer-
tion ist die Antwort, aber dies welche Inhalte Sie vermitteln Elementen die Lerneffizienz aktivität sind für den Lernpro-
klingt leichter gesagt als ge- würden, wenn Sie statt eines deutlich steigern, indem es die zess entscheidend, aber eben
tan. Acht Tipps können hel- eintägigen Seminars nur zwei Aufmerksamkeit und das Enga- auch zeitintensiv.
fen, dass am Ende des Se- Stunden oder sogar nur 15 Mi- gement der Teilnehmenden er- Jetzt heisst es Inhalte in die
minars das Wesentliche, die nuten zur Verfügung hätten. höht und damit Zeit spart. Vor- und Nachbereitungszeit
Kernbotschaft hängen bleibt. Eine tolle Methode, welches Ihr der Teilnehmenden zu verla-
Seminar garantiert von Ballast Tipp 6: In-Out-Technik nutzen gern. Oft kann der Stoff auch
Der Auftrag ist da. Themen befreit. Sie kennen es: Ihr Seminar als Vorbereitung im Selbststu-
und Adressaten sind definiert. ist ausgewogen geplant. Infor- dium oder als E-Learning er-
Die Lernziele sind formuliert. Tipp 3: Bildungsbedarf mationsphasen und verarbei- arbeitet werden. Die wertvolle
Nun geht es an die Planung beachten tende Phasen mit Teilnehmer- Zeit im Seminar wird dann zur
und Einteilung der zu über- Viele Bildungsfachpersonen ha- aktivitäten bilden ein gutes Klärung offener Fragen, für
mittelnden Inhalte. Und hier Bild: Pexels ben ihre Herzensthemen, die Gleichgewicht. Nach der ers- Diskussionen und zur Vorbe-
heisst es «Aufpassen!» Denn es Das «Gelbe vom Ei» rüberbringen sie gerne ausführlich vermit- ten Durchführung möchte die reitung des Praxistransfers ge-
ist ein Trugschluss zu glauben, – und das mit einer Prise Salz bit- teln. Das ist auch in Ordnung. Linie ein zusätzliches Thema nutzt. Dem Problem, dass Teil-
dass Masse vor Klasse geht. teschön: Leichter gesagt als getan, Die Seminarinhalte sollten sich integrieren. Kein Problem. Sie nehmende häufig unvorbereitet
Speziell bei Seminaren, die al- aber wir haben acht Tipps, die dieses aber immer am Bildungsbedarf kürzen eine Gruppenarbeit erscheinen, kann beispiels-
lenfalls nur an einem Tag statt- Unterfangen erleichtern. orientieren. Und das ist die Lü- und ersetzen ein Lehrgespräch wiese durch einen Online-Test
finden. Hier kommt das so ge- cke zwischen dem Vorwissen durch einen Lehrervortrag und im Vorfeld begegnet werden.
nannte Spiegelei-Prinzip zur Lernwerkstatt CEO Daniel Her- der Teilnehmenden (IST) und schon sind die 20 Minuten frei-
Anwendung, mit folgendem zog setzt sich seit vielen Jah- den Lernzielen (SOLL). Wenn geschaufelt. Doch schon bald Tipp 8: Lernplattformen
Motto: «Das Eigelb schmeckt ren mit dem «Spiegelei-Prin- Sie in Ihrem Seminar präzise kommt der nächste Themen- nutzen
am Besten!» Nach dem Spie- zip» auseinander und hat acht den Bildungsbedarf abdecken wunsch. Jetzt fällt die Grup- Traditionelle Trainingsmass-
gelei-Prinzip sollte das Semi- Tipps zusammengestellt, wie fallen Randthemen weg und Sie penarbeit ganz weg und der nahmen haben den Nachteil,
nar oder der Kurs aufgebaut man das Thema Stoffreduktion gewinnen Zeit. Transferauftrag am Ende des dass sie zeit- und ortsgebunden
werden und schliesslich die einfach und effizient umsetzt: Seminars verlagern Sie in die und wenig individualisiert sind.
Nachhaltigkeit mit der Kern- Tipp 4: Visualisierungen persönliche Nachbereitung der Wie vorgängig erläutert, lassen
botschaft bei den Teilnehmen- Tipp 1: Spiegelei-Prinzip einsetzen Teilnehmenden. Bald erken- sich viele Teile einer Präsenz-
den hängen bleiben. beachten In der heutigen informations- nen Sie Ihr anfänglich metho- veranstaltung bereits heute in
Es gilt, wichtige Inhalte von reichen Arbeitswelt ist es ent- disch gut aufgebautes Semi- Form von ausgeklügelten Lern-
Die Vermittlung von prakti- unwichtigen Hintergrundinfor- scheidend, komplexe Inhalte nar nicht mehr, es ist nämlich pfaden in Learning Management
schem und fachlichen Know- mationen zu trennen. Gerade schnell und effektiv zu ver- zu einer Vorlesung verkom- Systemen (LMS) abbilden.
how, von Inhalten und nützli- Fachexperten neigen dazu, mitteln. Visualisierungen spie- men. Höchste Zeit, sich an die In Zukunft werden KI-gesteu-
chen Tipps muss meist effizient sich endlos in Details zu ver- len dabei eine zentrale Rolle. In-Out-Technik zu besinnen. erte Lernplattformen eine fle-
und oft in einem ein- oder lieren. Hier hilft das Spiegelei- Sie ermöglichen es, komplexe Diese besagt, dass für jeden xible und individualisierte Wei-
zweitägigen Seminar erfolgen. Prinzip. Das wirklich Leckere Daten und Konzepte leicht ver- neuen Lerninhalt, den ich hin- terbildung ermöglichen. Die
Vor allem bei Führungs- und am Spiegelei ist das Eigelb. Das ständlich und visuell anspre- zufüge, ein bestehender Lern- Mitarbeitenden können zu je-
Fachkräften. Sie werden am sind die Lerninhalte, die für die chende darzustellen. Eine gut inhalt wegfallen muss. Wenn der Zeit und von jedem Ort aus
Arbeitsplatz gebraucht. Ande- Teilnehmenden praxis- oder gestaltete Visualisierung kann der Auftraggeber also einen zu- auf massgeschneiderte Lern-
rerseits weiss man, dass Lernen prüfungsrelevant sind und in mehrere Folien Text ersetzen sätzlichen Lerninhalt wünscht, inhalte zugreifen, genau dann,
ein Prozess ist, Kurzsequenzen den Lernzielen definiert wur- und gleichzeitig das Verständ- lautet die Frage: Was kann ich wenn sie diese benötigen. Dies
nicht den gewünschten Effekt den. Ein bisschen Eiweiss dazu nis und die Merkfähigkeit ver- herausnehmen? ermöglicht eine effiziente und
bringen und allenfalls ein Lern- schmeckt aber auch. Dies sind bessern. zielgerichtete Weiterbildung.
transfer somit oft ganz oder die Hintergrundinformationen, Tipp 7: Vor- und Nach-
teilweise ausbleibt. Die Semi- welche nötig sind um die Lern- Tipp 5: Storytelling nutzen bereitung einplanen Beachten Sie diese Tipps, und
narbesucher/innen empfinden inhalte zu verstehen. Und dann Früher erzählte man sich Mär- Wenn der Stoffdruck so im- schon wird Ihnen der Spagat
ein solches meist dann als ef- gilt es grosszügig wegzuschnei- chen, dann wurden daraus Ge- mens ist, dass selbst das Eigelb zwischen Stoffmenge und zur
fizient und «nachhaltig», wenn den, denn zu viel Eiweiss kann schichten und heute heisst es noch zu gross und nicht verdau- Verfügung stehender Zeit we-
sie das Vermittelte in ihrem auch mal Bauchschmerzen ver- Storytelling. Aber eines ist ge- bar wird, tappen viele Ausbil- sentlich besser gelingen.
Joballtag auch gleich praktisch ursachen. Eine Scheibe Speck blieben: Menschen hören gerne dende in die «Stoffdruckfalle».
einsetzen können. Mit dieser gibt dem Ganzen dann die nö- Geschichten. Diese Tatsache Verarbeitende Methoden, wie Praxisstipp: Train the Trainer
Ausgangslage müssen sich die tige Würze, das ist die span- können Sie in Ihrem Semi- Einzel-, Partner- oder Grup- 2tägiges Seminar –
Bildungsfachleute auseinander- nende Methodik, die Sie bei der nar nutzen. Denn Storytelling penarbeiten bleiben auf der auch Inhouse:
setzen. Vermittlung einsetzen. ist eine der ältesten und wir- Strecke und die Ausbildung lwo.ch/train-the-trainer
Für die Stoffauswahl bei der Seminarplanung helfen diese vier Fragebündel:
Voraussetzungen,
Location, Stoff Zeit / Teilnehmende
Durchführung Zeitmanagement
• Eigenheiten des
• Akzente setzen. Themas? • Zeitvorgaben? • Kenntnisstand
• Schwerpunkte • Abstraktions- • Zeitverteilung der Teilnehmen-
des Auftragge- grad? auf die verschie- den?
bers? • Bedeutung für denen Themen? • Praktiker/ Theo-
• Lernziele? die Teilnehmen- • Abstriche nötig? retiker?
• Rahmenbedin- den? Stoff zeitlich rea- • Besondere Inte-
gungen • Beispiele mög- lisierbar? ressen der Teil-
lich?
• Räume? • Kürzung: Wo • Die Zeitvorgabe nehmenden?
• Ausstattung? möglich? entscheidet auch • Anzahl Teilneh-
mende?
über die Wahl
• Konsequenzen • Was ist genauer der Methoden! • Motivation und
für die Teilneh- zu behandeln? Teilnahme-
menden (Zertifi- • Kernthemen? gründe der Teil-
kat, Prüfung)? • Einfache/
schwierige The- nehmenden?
men?
• Was lernen die
Teilnehmenden
leichter, wo sind
sie stärker ge-
fordert?
Quelle: Thomann 2003 / Siebert 2019

