Page 1 - Baselbieter Woche Waldenburg - KW 29 - 2025
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WALDENBURGER WOCHE
          Baselbieter Woche
          Baselbieter Woche











            SCHWEIZER WOCHE AG, Dienstag, 15. Juli 2025  |  KW 29  |  14. Jahrgang  |  Inserateannahme: 061 222 28 90  |  Redaktion: 061 901 10 39  |  Aufl. Baselbieter Woche: 22'686 Ex.

                             BALLENBERG                                HANS-JÖRG                                HENRIQUE                                  BAFF! 2025
                                                                       BERTSCHI                                 SCHNEIDER

                             Das grösste Freilicht-                    Der Aargauer Unter-                      Der Ökonom erklärt,                       Das Fest der Kunst
                             museum der Schweiz                        nehmer erklärt de-                       wieso die Schweiz                         und Kultur in Basel
                             setzt diesen Sommer                       tailliert, wieso die                     keine «Rosinenpi-                         feiert im September
                             seinen Fokus auf Er-                      Juso-Initiative dem                      ckerin» ist, und heute                    30 Jahre Internatio-
                             lebnisse im Grünen                        Wirtschaftsplatz                         schon sehr grosszügig                     nales Figurentheater.
                             und gelebte Volkskul-                     Schweiz massiv scha-                     zur EU ist.
                             tur.                                      det.
                    SEITE 8                                   SEITE 9                                  SEITE 13                                 SEITE 15





                «Die Situation mit



            der Marktmacht wird


              heute unterschätzt»




          Der Verein Faire Märkte Schweiz FMS schafft fairere und ge-
          rechtere Märkte, in denen ein förderlicher Wettbewerb im In-
          teresse aller Akteure, insbesondere auch der schwächeren
          Vertragspartei, sichergestellt und letztlich die Transforma-
          tion hin zu nachhaltigeren Märkte ermöglicht wird. Dr. Ste-
          fan Flückiger, Vorstandspräsident des Vereins Faire Märkte
          Schweiz, stellt das erfolgreiche Engagement vom FMS im De-
          tail vor, gibt einen Überblick über die diversen Kampagnen
          und Aktivitäten.
                                                                                                                                      Bild: pixabay
          Der Verein Faire Märkte Schweiz  Formular (Webpage). Im 2025  Der Verein Faire Märkte Schweiz FMS hat erfolgreich eine Melde- und Bera-
          hat vor zwei Jahren eine Melde-  werden es wohl doppelt so viele  tungsstelle für die Landwirte lanciert und neu das Angebot noch erweitert.
          und Beratungsstelle lanciert.  werden wie im 2024.
          Welche Bilanz können Sie zie-                                     den Vorleistungen als auch bei  die momentan fragile Weltlage
          hen?                             Der FMS will den Missbrauch von  den nachgelagerten Stufen.  noch verschärft?
          Dr. Stefan Flückiger: Die Ent-   Marktmacht bekämpfen und  Die Bauern und kleinen KMU  Die fragile Weltlage verschärft
          wicklung ist sehr erfreulich, weil  faire Märkte schaffen. Welche  sind  in der «Sandwich-Posi-     die Herausforderungen auf den
          die Betriebe immer häufiger den  Idee steckt konkret dahinter?    tion» und somit am kürzeren  Agrar- und Lebensmittelmärk-
          Mut aufbringen, sich beim FMS  Wir haben fünf strategische  Hebel. Sie können sich gegen  ten zusätzlich, da sie Lieferket-
          zu melden. Im Jahr 2024 waren  Ziele: förderlicher Wettbe-        die internationalen Konzerne  ten stört und Unsicherheiten
          es 60 Meldungen. Da wegen der  werb, überhöhte Konsumen-          und die marktmächtige Fenaco  auf den Märkten verstärkt. Zu-
          Tiefpreisstrategie verschiedener  tenpreise vermeiden und an-     und gegen die marktmächti-        dem hat die Marktmachtsitu-
          Abnehmer der Druck zugenom-      gemessene Produzentenpreise  gen Grossverteiler immer we-          ation zugenommen, da grosse
          men  hat,  nehmen  in  diesem  erzielen, Wandel hin zu nach-      niger durchsetzen und stehen  Unternehmen verstärkt versu-
          Jahr die Meldungen zu. Wir ge-   haltigen und tiergerechten Er-   deshalb unter einem enormen  chen, ihre Interessen durch-
          hen allen Meldungen nach und  nährungssystemen  sowie  Dis-       Druck. Der FMS zeigt entspre-     zusetzen und dadurch Wettbe-
          stellen so fest, wo der Schuh ef-  kussion und den Dialog in der  chende Fälle transparent auf  werb und Preisbildung weiter
          fektiv  drückt: Gleichzeitig ha-  Gesellschaft zu Fairness und  und fordert sowohl gegenüber  zu beeinflussen. Wie beschrie-
          ben wir das Angebot ausgebaut:  zukunftsweisenden Marktsys-       den Marktakteuren als auch  ben hat der Druck von Seiten
          Seit Frühjahr führen wir eine  temen. Das dritte Ziel beschäf-    gegenüber der Politik mehr  des Marktes zugenommen, was
          Meldestelle Gastronomie und  tigt uns beim FMS derzeit am  Fairness in den Märkten.                 auch durch die Tiefpreisstra-
          kooperieren mit dem Bäuerli-     meisten: Missbräuchliche Ver-                                      tegie von relevanten Akteuren
          chen Sorgentelefon. Wöchent-     haltensweisen marktmächti-       In einer ersten Phase haben Sie  in der Schweiz erfolgt ist. Der                     Talstrasse 35
          lich kommen seither nicht eine,  ger Unternehmen und unfaire  sich auf Agrar- und Lebensmit-        Druck kommt nun langsam bei
          sondern zwei bis drei Meldun-    Handelspraktiken. Die Situa-     telmärkte fokussiert. Wie be-     den Bauern an.
          gen zu uns. Nicht alle per Tele-  tion mit der Marktmacht wird  urteilen Sie als Agrarökonom die
          fon, sondern auch per Mail oder  heute unterschätzt, sowohl bei  Lage zurzeit und wird sie durch                 Fortsetzung Seite 3
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