Page 13 - Baselland Woche Arlesheim - KW 03 - 2025
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DIENSTAG, 14. JANUAR 2025 SEITE 13
Altes Handwerk lebendig erhalten
Tony Bucheli pflegt und hegt das filigrane Handwerk des Korb- und das historische Handwerk
flechtens mit grosser Leidenschaft. Dabei engagiert er sich ak- überlebt. Bucheli engagierte
tiv im Verband, damit die Ausbildung zum Korb- und Flecht- sich früh für die Berufsbildung
werkgestalter EFZ erhalten bleibt. Ebenso sensibilisiert er und war 1989 Gründungsmit-
immer wieder die Öffentlichkeit für die uralte und nachhal- glied des Berufsverbandes, der
tige Handwerkskunst. IG Korbflechterei Schweiz. Zu-
dem hat er 20 Jahre an der Be-
Nur noch wenige Menschen in stehen lässt. Doch damit der rufsschule unterrichtet und
der Schweiz beherrschen das Stuhl eine schöne, regelmäs- war lange Chefexperte.
uralte Handwerk des Korb- sige Form erhält, braucht es viel
flechters. Tony Bucheli in Lan- Übung und unzählige prüfende Momentan absolvieren vier
genthal betreibt dieses Kunst- Blicke. «Flechten ist eigentlich Lernende die dreijährige Aus-
handwerk seit über 40 Jahren eine textile Technik, die wir bildung zum Korb- und Flecht-
mit grosser Leidenschaft und im Fall von Körben in dreidi- werkgestalter in EFZ. Die Lehr-
Flair. Sein Atelier an der Un- mensionalen Objekten umset- stellen sind gefragt, allerdings
tersteckholzstrasse 40 in Lan- zen», erklärt der Fachmann. gibt es noch zwei Ausbildungs-
genthal ist «klein und fein» Körbe flechtet er fast nur aus betriebe – die irides AG Ba-
mit einem Ausstellungsraum, Weide. «Die Stühle baue ich sel und das Blickfeld Horw.
in welchem seine Naturerzeug- aus Rattan und bei den Stuhl- Bucheli ist überzeugt, dass das
nisse schön präsentiert werden: geflechten kommen die unter- Bilder: CR Flechten als Tätigkeit nie aus-
Stühle und Sessel aus Korbge- schiedlichsten Materialien zum Steckt viel Herzblut in die Korberei und Flechtkunst: Tony Bucheli bei der Arbeit sterben wird. «Es ist eine span-
flechten, Körbe in allen Grös- Einsatz», so der 69-jährige. in seinem Atelier. nende Arbeit, die keine grossen
sen und Farben, Schalen und Dank seiner Erfahrung und sei- Einrichtungen erfordert.» Er
Accessoires aus Weidengeflech- nem Wissen vermag Bucheli an Produkte gegenüber der indust- konkretisiert aber: «Die Ausbil-
ten. Er braucht nicht viel zum einem Arbeitstag drei Einkaufs- riellen Massenproduktion schät- dung ist aktuell gefährdet. Die
Arbeiten. Flechtmaterial, wie körbe zu flechten. zen. Er arbeitet aber auch mit jungen Leute haben zwar grosse
scharfe Messer und eine Schere Institutionen und Gartenbauer Freude an der Ausbildung, sie
bilden die bevorzugten Werk- Nachhaltige Zulieferer zusammen. Dabei legt er gros- wollen sich aber danach nicht
zeugauswahl des Korb- und Einige Weiden, die er verarbei- sen Wert darauf, dass jedes Ob- im Verband engagieren.» Junge
Flechtwerkgestalters. Flech- tet, stammen aus dem eigenen jekt schön gestaltet und ver- Leute in die Verbands- und
ten ist Handwerk pur: «Wir ha- Garten, aber das Gros der Ma- arbeitet ist. Vorstandsarbeit zu bringen, ist
ben zwar einiges an Werkzeu- terialien kauft er ein. Die Wei- denn auch die grösste Heraus-
gen und auch ein den werden in Als selbständig Erwerbender be- forderung der Branche. «Wir
paar Kleinma- «Meistens sind Spanien in Plan- deutet Bucheli jeder kleine Re- sind momentan daran, die vier
schinen in unse- es Kunden, die mich tagen angebaut. paraturauftrag einen Vertrau- Berufsverbänden der Weisskü-
ren Werkstätten, inspirieren.» Das Rattan wird ensbeweis und ist somit etwas fer, Drechsler, Holzbildner und
aber das sind im tropischen Schönes. Aber es gab natürlich der Korb- und Flechtwerkge-
bloss Hilfsmittel. Regenwald in in seiner über 40-jährigen Korb- stalter zu fusionieren. Sie bil-
Die eigentliche Flechtarbeit ge- Südostasien gesammelt und auf- flechter-Karriere etliche High- den innerhalb der Dachorgani-
schieht mit blossen Händen», bereitet. Dazu kommen indust- lights. Dazu gehören die grossen sation IG Kunsthandwerk Holz
erklärt der gebürtige Luzerner. riell hergestellte Schnüre. «An Arbeiten mit der Flechtgruppe ses Projekt logistisch heraus- in Brienz ihre Lernenden aus.
Ein guter Korbflechter ist flexi- viele Kunststoff-Flechtmateria- Salix oder die Projekte an Schu- fordernd. Dazu konnten wir als Nur so können wir die Admi-
bel wie sein Material. Er verfügt lien kommen wir len. In bleiben- Verband unser Land im Aus- nistration professionalisieren»,
nicht nur über eine ausgeprägte bei uns gar nicht «Die Ausbildung ist der Erinnerung land repräsentieren», erinnert betont Bucheli.
Fingerfertigkeit, sondern ist heran und kön- aktuell gefährdet.» ist dem Langen- er sich. Manchmal macht Buch-
auch hoch konzentriert und hat nen dann solche thaler das Wei- eli auch einen Abstecher in die Corinne Remund
ein geschultes Auge für Ästhe- Möbel oft nicht den- Feuerwerk Kunst. Er sieht sich zwar eher
tik und Ausdruck. Dank seiner reparieren.» Für seine Produk- in Lichtenfels: «Durch die Zu- als Gebrauchshandwerker denn www.korbundstuhl.ch
Erfahrung und seinem Wissen tion und die Kurse benötigt er sammenarbeit mit der Fach- als Künstler, allenfalls noch als www.kunsthandwerk-holz.ch
wie auch seinem ausgeprägten rund 200 bis 300 Kilogramm schule hatte es sowohl eine pä- Kunsthandwerker. Immerhin www.korbflechten.ch
Geschick für Handarbeit kann Weiden. Seine Kunden sind Pri- dagogische Komponente als wurde ihm und seinen Kollegen www.flechtgruppe-salix.ch
der Kunsthandwerker aus dem vatpersonen, die den speziel- auch eine künstlerische, inno- in der Flechtgruppe «Salix» im
Vollen schöpfen und findet im- len Touché der handgefertigten vative Seite. Für mich war die- Jahr 2002 der Kulturförderpreis
mer eine gute Lösung. der Stadt Langenthal verliehen.
Viel Erfahrung und Bald keine Ausbildung mehr?
Fingerspitzengefühl Oftmals kommen Kunden mit
Bucheli stellt in seiner knapp einer Idee auf Bucheli zu, wel-
20 Quadratmeter grossen che er dann umsetzt: «Ich bin
Werkstatt Sitzgelegenheiten, selbst eigentlich gar nicht so
Körbe und weitere Objekte kreativ», meint er bescheiden.
her oder repariert bereits be- «Meistens sind es Kunden, die
stehende Möbel und ersetzt mich inspirieren.» Der Kunst-
Stuhlgeflechte aller Art. Er handwerker setzt sich mit gros-
ist aber auch draussen tätig: sem Engagement dafür ein, dass
«Mit druckimprägnierten Wei- der Beruf des Korb- und Flecht-
den kann ich auch Arbeiten im werkgetalters in den Köpfen
Aussenbereich anbieten.» Zu- der Menschen lebendig bleibt
dem gibt er Kurse oder Pro-
jektbegleitungen in Schulen
und Institutionen. «Die ist ein
wichtiges Standbein für mich»,
betont der Korbmacher. Dazu
engagiert er sich seit 1999
mit Bernard Verdet und Pe-
pito Zwahlen zusammen in der
Flechtgruppe Salix, die ihm
ermöglicht, gemeinsam auch
grosse Projekte zu stemmen.
«Bei unserem grössten Auftrag
haben wir zu Dritt dreieinhalb
Wochen gearbeitet und 1100
kg Weiden verflochten», erin-
nert er sich. Flink wickelt er
Naturmaterial um ein Gerüst,
es sieht beinahe einfach aus,
wie er diesen Rattanstuhl ent-

