Page 5 - Baselland Woche Arlesheim - KW 03 - 2025
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IM FOKUS
DIENSTAG, 14. JANUAR 2025 SEITE 5
Das sind die «Mega-Trends» und Hoffnungen für 2025
Welche Trends werden unser das persönliche Leben. Und so sachten Probleme zu lösen. Da-
Leben bereits 2025 nachhaltig schätzen wohl mehr als zwei bei geben jedoch nur knapp 65
beeinflussen und wie ist das Drittel der Menschen in der Prozent der Befragten an, dass
Fazit der Befragungen in der Schweiz, dass die Lebensquali- sie bereit seien, Massnahmen zu
Schweiz für das Hoffnungsba- tät in 20 Jahren schlechter bis ergreifen, um die durch den Kli-
rometer 2025? viel schlechter sein werde im mawandel entstandenen Prob-
Vergleich zu heute. leme zu lösen. Ähnlich hoch
Zwölf Megatrends, die bis 2030 ist die Skepsis bezüglich der
nachhaltig die Welt prägen wer- Einschätzung der Künstlichen Intelligenz: 68 Pro-
den, hat das Zukunftsinstitut Krisenszenarien als zent halten KI für eher bis ziem-
definiert. Bei Swissfuture – der «wahrscheinblicher» lich gefährlich. Über die Hälfte
Schweizerischen Vereinigung Den Befragten wurden zwei befürchtet dabei eine unethi-
für Zukunftsforschung – sind es Zukunftsbilder vorgelegt: Das sche Verwendung von KI und
gar deren 13. New Work, Digita- «Flourishing Szenario», in wel- einen Kontrollverlust. Die nega-
lisierung, Gesundheit, Mobilität, cher die wirtschaftliche und tiven Empfindungen bezüglich
Wissenskultur, Urbanisierung, technologische Entwicklung KI überwiegen in jeder Alters-
Konnektivität, Urbanisierung, fortgesetzt wird, die aktuel- gruppe, 18- bis 29-Jährige sind
Neo-Ökologie (Ressourcen- len Probleme überwunden und aber etwas weniger kritisch.
verknappung und Ökologisie- Bild: pexels ein neues Zeitalter der Nach- Rund ein Drittel der Befragten
rung), Globalisierung und Indi- Mobilität, Urbanisierung, Konnektivität, Urbanisierung... einige der 12 bis 17 haltigkeit, des Friedens und geht davon aus, dass sie durch
vidualisierung, Beschleunigung Megatrends, die 2025 bis 2030 an Bedeutung gewinnen werden. des Wohlstands eintreten wird. KI ihre täglichen Probleme in
durch Innovation und Techno- Das «Krisenszenario» hingegen der Arbeit besser lösen werden
logie, Sicherheit, die «Silver So- sellschaftsstruktur vernetzt. und neue ökonomische Prinzi- vermittelt eine Welt mit zu- können. Mehr als 42 Prozent sa-
ciety» (auch «Aging Society) Der Ansatz: Alles konzentriere pen für Produktion und Logis- nehmender Bevölkerung, Um- gen aber auch, dass sie durch KI
und «Gender Shift» (Wan- sich im Moment auf neue Tech- tik, wird der urbane Raum als weltzerstörungen, neuen Krank- neue und interessante Dinge ler-
del durch Aufbrechen von Ge- nologien. Die älter werdende Produktionsstätte wieder deut- heiten sowie ethnischen und nen könnten. Fast ein Drittel er-
schlechterstereotypen und Rol- Gesellschaft steht dadurch im lich interessanter. Heute wird regionalen Konflikten. 87 Pro- hofft sich durch KI zudem mehr
lenmustern) – das sind alles so Schatten und wird völlig unter- in Städten vor allem Wissen zent aller Befragten erachten Kreativität und Innovation, die
genannte Megatrends. Diese schätzt. Dennoch sei man gut produziert. Aber auch die Pro- gemäss Auswertung das Krisen- Umsetzung neuer Ideen und die
Megatrends wirken nicht iso- beraten, sich dieser Potenziale duktion von Gütern findet wie- szenario dabei als eher bis sehr Entfaltung von Fähigkeiten und
liert, sondern beeinflussen sich zu erschliessen, heisst es in der der vermehrt ihren Platz in der wahrscheinlich, 60 Prozent ge- Potenzialen.
gegenseitig und prägen gemein- Megatrend-Studie des Zukunfts- Stadt. hen sogar ziemlich bis stark da- JoW
sam die Zukunft. instituts. Die Silver Society be- von aus.
Aber was sind eigentlich Mega- deute eine «Umkodierung», die Worauf hoffen die Schweizer- Quellen:
trends und wie wird ein Trend sich im kommenden Jahrzehnt innen und Schweizer 2025? Klimawandel und KI – - Zukunftsinstitut.de, swissfuture
zu einem «Mega»-Trend? Den deutlich zeigen wird. Menschen Den meisten Menschen in der Chancen und/oder Gefahren (Megatrends 2025)
Begriff «Megatrend» geprägt hat in der zweiten Lebenshälfte ha- Schweiz geht es grundsätz- Weitere spannende Erkennt- - HSG-Forscher/innen, swissfu-
1982 der amerikanische Futuro- ben eine andere Sicht auf Leis- lich nach wie vor gut und sie nisse: Zwei Drittel der Befrag- ture, Andreas M. Krafft, «20 Mi-
loge John Naisbitt. Er beschreibt tung, Wachstum und Innovation schauen auch mit verhaltener ten glauben nicht daran, dass nuten» (Hoffnungsbarometer
zehn übergeordnete, langfris- als die Jüngeren. Zudem schät- Zuversicht in die Zukunft. Al- wir in der Lage sein werden, die 2025).
tig anhaltende und nachhaltige zen sie Vorgänge anders ein. Sie lerdings gebe es auch eine nicht durch den Klimawandel verur-
Entwicklungen. Im heutigen seien ein unglaublicher Erfah- zu vernachlässigende Anzahl
Verständnis sind Megatrends rungsschatz und Hort der Ge- von Menschen, die mit ihrem Diese Trends im Auge behalten:
übergeordnete «Grosswetter- lassenheit. Die Alterung der Leben weniger zufrieden sind
lagen», die sich an zahlreichen Gesellschaft wird zwar grössten- und nicht pessimistisch in die 1. Bevölkerungswachstum: Die Weltbevölkerung wächst bis 2050 auf
Wandlungsmustern hermeneu- teils als Problem betrachtet, sie Zukunft blicken. Dies lässt eine über 9 Mrd. an. Europa ist mit einer schrumpfenden Bevölkerung ein
tisch erschliessen lassen. Um könne aber auch zu ihrer Vitali- Auswertung des Hoffnungsbaro- Sonderfall unter den Kontinenten. Die Schweiz dürfte um 2040 rund
als Megatrend zu gelten, muss sierung beitragen. meters 2025 durchblicken. 10 Mio. Einwohner haben. Die Bevölkerung über 60 Jahre ist welt-
eine solche strukturelle Verän- Das Hoffnungsbarometer wird weit die am schnellsten wachsende Altersgruppe. Einzig Afrika ist
davon ausgenommen. Die Lebenserwartung wird weltweit bis 2050
derung global sowie bereits über Digitalisierung, in der Schweiz seit 2009 jähr- auf 76 Jahre ansteigen (heute 71). In der Schweiz wird bis 2050 die
längere Zeit beobachtbar sein – New Work, lich im November für das kom- Bevölkerung über 65 um mehr als 50% zunehmen.
und zwar in den unterschied- Konnektivität... mende Jahr in einer breit an-
lichsten Aspekten. Ein sehr wichtiger Trend ist je- gelegten Internet-Umfrage 2. Der Gesundheitszustand der Weltbevölkerung nimmt in unter-
Was diese Trends auszeich- ner zur Konnektivität: «Wir le- zusammen mit dem Medium schiedlichem Tempo auf der ganzen Welt zu. Die Gesundheitsmärkte
wachsen in den meisten Ländern schneller als das BIP und könnten
net: Sie verändern nachhal- ben in einem Netzwerk von «20 Minuten» durchgeführt. In sich bis 2030 auf insgesamt 20 Bio. Dollar vervierfachen (im Ver-
tig ganze Branchen und durch- Netzwerken. Jeder ist mit je- Kooperation mit Universitäten gleich zu 2010). Die Alterung der Schweizer Bevölkerung, die Zu-
dringen alle Lebensbereiche. dem und allem verbunden, im- in 20 Ländern werden dieses nahme der chronischen Krankheiten und der medizinische Fort-
Anders als Trends, die nur ei- mer und überall. Dieser Um- Jahr zudem die Zukunftspers- schritt werden die Gesundheitskosten in der Schweiz bis 2030 um
nige Jahre wirken, haben Mega- stand fordert die Menschen pektiven von rund 10000 Men- 60% ansteigen lassen.
trends eine Wirkungsdauer von technologisch – auch sozial, schen in verschiedenen Weltre- 3. Nomadisierung und Mobilität: Immer mehr Menschen sind unter-
mehreren Jahrzehnten. Beson- in unserer Haltung und Den- gionen erhoben. Studienleiter wegs, um grundlegende Bedürfnisse zu decken. Einerseits leben
ders die Digitalisierung – sei es ken. Das Zusammenspiel zwi- ist der HSG-Forscher und Co- mehr Menschen denn je ausserhalb ihres Geburtslandes (plus 41%
in den Arbeitswelten oder in al- schen Menschen und Technolo- Präsident von swissfuture, And- gegenüber 2000). Andererseits legen immer mehr Menschen auch
len anderen Lebensbereichen – gie, der Umgang mit den neuen reas M. Krafft. lange Wegstrecken für Arbeit, Einkauf und Freizeit zurück. 2025
ist einer der massivsten Trends. Möglichkeiten, wird sich in den Hierbei geben etwas mehr als dürften weltweit 2 Mrd. Autos in Betrieb sein (2015: 1.3 Mrd.). In der
Jeder «Megatrend» ist prägend kommenden Jahren richtungs- die Hälfte der Deutschschweize- Schweiz werden die jährlichen Personenkilometer bis 2030 um 16%
für Gesellschaft und Wirtschaft, weisend entwickeln, wenn der rinnen und -schweizer an, mit (MIV) bzw. 18% (öV) zunehmen (gegenüber 2010).
dennoch gibt es Unterschiede gegenwärtige technologische ihrem persönlichen Leben eher 4. Neo-Ökologie: Nachhaltiges Wirtschaften und ein nachhaltiger
zwischen den einzelnen Mega- Hype umfassender begriffen zufrieden bis sehr zufrieden zu Lebensstil bestimmen zunehmend die Agenda. Bis 2040 werden
trends, was ihre Bedeutung für wird. Wenn sich herauskristalli- sein. 28 Prozent hingegen wa- weltweit zwei Drittel aller Kraftwerkinvestitionen in erneuerbare
einzelne Bereiche angeht. Diese siert, wie und wo wir Technolo- ren eher bis sehr unzufrieden Energien fliessen. Ihr Anteil an der weltweiten Energieproduk-
kann sich durchaus wandeln. gie wirklich effizient einsetzen mit ihrem Privatleben – rund 21 tion wird dann 40% betragen. Die Schweiz ist vom Klimawandel
So kann der eine oder andere können und wollen, ergeben Prozent waren es weder noch. überdurchschnittlich betroffen: Der Temperaturanstieg gegenüber
Megatrend durch bestimmte sich hier enorme Potenziale. In der Romandie sind die Men- der vorindustriellen Zeit ist hier doppelt so gross wie im weltweiten
Entwicklungen an Einfluss ge- Auch die «Urbanisierung» wird schen mit 68 Prozent zufriede- Durchschnitt.
winnen oder verlieren bezie- als Megatrend erachtet. Beson- ner mit ihrem Privatleben, in 5. Globalisierung: Der weltweit statistisch erfasste Warenexport
hungsweise können sich auch ders auch im Zusammenhang der italienischen Schweiz hin- stieg seit 1960 um das 18-fache an, Auslanddirektinvestitionen ha-
neue Megatrends etablieren. mit dem Technologiewandel gegen weniger (48 Prozent). ben sich seit 1970 verhundertfacht. Der Trend zu technologieorien-
und der Digitalisierung. Städte Die meisten Menschen fühlen tierten und wissensintensiven Bereichen setzt sich fort.
Stehen wir vor einer «Umko- werden zu «Smart Cities». sich überdurchschnittlich wohl 6. Das Prinzip der Transparenz: Die Weltgemeinschaft pocht auf Of-
dierung der Gesellschaft»? Ausserdem: Seit 2008 lebt die – und dieser Wert habe gemäss fenlegung von Informationen zu Daten, Strukturen und Interessen
Einer der interessantesten Mehrheit der Weltbevölkerung den Auswertungen Ende 2024 von öffentlichen und privaten Institutionen. In der Schweiz gilt seit
Megatrends ist die Entwick- in Städten. Der Urbanisierungs- im Vergleich zu Ende 2023 in einigen Jahren das Öffentlichkeitsprinzip in der Verwaltung. In der
lung der so genannten «Silver grad der Schweiz beträgt 85 allen Sprachregionen zugenom- Wissenschaft gelten vermehrt die Prinzipien Open Data, Open Ac-
Society» und ist somit auch di- Prozent und wird weiterwach- men. Aber: Allgemeinde gesell- cess und Open Source.
rekt mit dem demographischen sen. Durch die weltweit zuneh- schaftliche Entwicklungen trü- Quelle: Swissfuture
Wandel und der künftigen Ge- mende Bevölkerung der Städte ben die Zukunftsaussichten für

