Page 16 - Baselbieter Woche Laufen - KW 12 - 2025
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                             Eine grosse Portion Nächstenliebe und Würde




          Roswita  Schlatter  zeigt  auch                                   Glaube  noch  christliche  Werte  in der Kindheit gehen. Unser  über 20 Jahren Pionierarbeit mit
          in ihrem 6. Album unter dem                                       oder  überhaupt  eine  Orientie-  Wurzeln  sind  also  enorm  prä-  einer vorbildlichen Betreuung
          Titel «Wurzle Radici Racines»                                     rung an die junge Generation  gend für uns und entsprechend  von an Demenz und Alzheimer
          viel  Feingefühl  und  Empa-                                      weitergegeben wird. Alle diese  sind sie stark verankert in unse-  erkrankten Menschen», freut
          thie. Die zehn Lieder in Bern-                                    Gedanken und Inputs hat sie  rem Gedächtnis und Gehirn»,  sich Schlatter.
          deutsch, Französisch und Ita-                                     mit ihren Liedern in ihr neues  folgert Schlatter.
          lienisch habe mit ihrer Le-                                       musikalische Werk verpackt.                                                 Ein ruhiges,
          bensgeschichte zu tun und                                         Und so kommt darin auch ihre  Im Gespräch mit ihrer Freun-               poetisches Album
          widerspiegeln die heutige                                         Liebe zum geschriebenen Wort,  din Olivia Weibel, die in der De-   Die zehn Songs auf der CD sind
          orientierungslose Gesellschaft.                                   zur Sprache und zur Poesie zum  menz/Alzheimer Beratung arbei-     breitgefächert und beinhalten
          Die Liedermacherin aus Er-                                        Ausdruck – dazu eine grosse Por-  tet, stellt sie fest, dass sich die  E-Bass, Piano, Querflöte, Saxo-
          iswil spendet den CD-Erlös,                                       tion an christlichem Gedanken-    Gesellschaft sehr schwer tut  phon, Akkordeon, Cajon (Per-
          vollumfänglich an die Betreu-                                     gut,  Nächstenliebe,  Empathie  mit ihren dementen Mitmen-         kussion), Regenrohr  und  Ge-
          ung für an Demenz/Alzheimer                                       und Verständnis für eine fra-     schen. «Es gibt zu wenig nieder-  sang. «Es ist eher ein ruhiges,
          erkrankten Menschen. CD-Re-      Unsere Wurzeln sind wichtiger denn   gile Gesellschaft und vulnerable  schwellige Entlastungsangebote  poetisches Album. Stilistisch
          lease ist am 9. Mai in Eriswil.  je:  CD-Cover:  Olivia  Weibel  (ge-  Menschen. «Demenz und Alzhei-  für Angehörige von an Demenz  ist es im Genre Folk, Chanson
                                           malt),Roswita Schlatter(Fotografie)   mer grassieren vor allem immer  und Alzheimer erkrankten Men-  mit einer Prise Klassik einzu-
          «Unser Nächster  ist  jeder  Grafik: Lukas Kaufmann               mehr bei älteren Menschen», so  schen. Damit meine ich ein un-     ordnen», erklärt die Sängerin,
          Mensch, besonders der, der                                        die Dichterin. «Ich widme diese  kompliziertes Angebot für Men-    die sich selber auch als Brü-
          unsere Hilfe braucht.» Dieses  stellt die Liederautorin ihr neues  CD daher allen Menschen, die  schen, die sich in einem ersten  ckenbauerin sieht. Und in die-
          Zitat von Martin Luther ist der  Album vor. Die Mutter von zwei  an Demenz/Alzheimer erkrankt  Stadium  der  hoch  komplexen  sem  Sinn ist auch  ihre Mittei-
          Grundstein zum neuen Album  erwachsenen Töchtern, die  sind.»                                       Krankheit befinden», konkreti-   lung an ihr Publikum: «Leben
          von Roswita Schlatter. Die Lie-  unter anderem in Kamerun und                                       siert die leidenschaftliche Foto-  wir doch in liebvoller Zuwen-
          dermacherin aus Eriswil ist seit  danach im Bilinguen Biel aufge-    CD-Erlös für an Demenz         grafin und doppelt nach. «Ge-    dung zu unseren Mitmenschen
          bald zehn Jahren erfolgreich mit  wachsen ist, erachtet es als gros-  und Alzheimer erkrankten      fragt sind Freiwillige, die die  und wahren wir gerade auch bei
          verschiedenen Musikern unter-    ses Privileg, ihre Lieder in ver-           Menschen               Angehörigen entlasten, indem  der älteren, verletzlichen Gene-
          wegs. Jetzt gibt  sie ihre 6.  CD  schiedenen Landessprachen zu  Das Thema Demenz/Alzheimer  sie Einkaufen gehen, Arztbesu-          ration ihre Würde – denn wir alle
          unter  dem  Titel  «Wurzle  Ra-  schreiben und zu komponieren.  beschäftig die Emmentaler Sän-      che übernehmen, kochen und  sind irgendwann auf Hilfe ange-
          dici Racines» heraus, die am 9.  Sie beobachtet oft, dass wir als  gerin seit über 20 Jahren. Da-   einfach unterstützen, wo es nö-  wiesen, wenn wir unseren letz-
          Mai in Eriswil mit einem Eröff-  Nation nicht mehr wissen, wo  mals hatte sie eine sinnreiche  tig ist.» Die Künstlerin möchte  ten Weg antreten.» Sie hofft, mit
          nungskonzert ihren Einstand  unsere Wurzeln seien – dies als  Begegnung mit einer dementen  daher für solche wichtige und  dieser CD ein Samenkorn zu
          feiert. «Die CD ist im wahrsten  Individuen als auch als Gesell-  Frau, die sie bis heute geprägt  essenzielle  Angebote  sensibili-  streuen sowohl zur Verwurze-
          Sinne des Wortes tief verwur-    schaft. «Ich stelle oft auch bei  hat. Aus diesem intensiven Er-   sieren und spendet den Erlös  lung, als auch bezüglich Würde
          zelt. Einerseits in meinen per-  jungen Menschen eine gewisse  lebnis ist der Song «Ds Grosse  ihrer CD bei  Überschuss und  und Respekt gegenüber den älte-
          sönlichen Lebenswurzeln und in  Desorientierung fest. Dieses  Vergässe»  entstanden,  welcher  ein Teil der Konzerteinnahmen  ren Menschen.
          der sprachlichen Vielfalt meiner  Phänomen zieht sich allerdings  der Kern ihres musikalischen  (Kollekte) der Nächstenhilfe
          Komposition  wieder  erkennbar  durch alle Generationen», so  Projektes ist. «Bezeichnend ist,  Zollbrück. «Diese Gruppe aus                         Corinne Remund
          sind, andrerseits im Thema der  die engagierte Sängerin. Sie ver-  dass Menschen mit Demenz/Alz-    rund 20 freiwilligen Frauen gibt
          Wurzeln unserer Gesellschaft»,  misst, dass heute zum Teil weder  heimer zurück zu ihren Wurzeln  es schon länger. Sie leisten seit     www.roswita-schlatter.ch



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