Page 3 - Baselland Woche Arlesheim - KW 44 - 2025
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DIENSTAG, 28. OKTOBER 2025                                                                                                                                    SEITE 3





                                                    FORTSETZUNG


          Wer engagiert sich im Vorstand                                    Klosterleben beschäftigt sich
          des Vereins?                                                      mit möglichen Umnutzungen.
          Im Vorstand sind Kompeten-                                        Was ist Ihre ideale Neunutzung      Mit spitzer Feder …
          zen aus Theologie, Ökonomie,                                      eines Klosters?
          Raumplanung, Projekt- und Im-                                     Das Interessante einer Pers-
          mobilienmanagement, Kom-                                          pektive Klosterlandschaft für
          munikation und Fundraising                                        das einzelne Projekt ist die
          vertreten. Wir arbeiten auch                                      Fähigkeit, viele Informatio-
          intergenerationell. Leider hat                                    nen zur Verfügung zu haben,                           «Einer für alle –
          der  Ordensmann  in  unserem                                      um eine individuelle Umnut-
          Team die Schweiz verlassen und                                    zung zu ermöglichen. Es gibt                          alle für einen»
          lebt nun in einer Gemeinschaft                                    keine ideale Nutzung, es ist im-
          in  Deutschland. Da haben  wir                                    mer eine konkrete Nutzung, die
          gegenwärtig eine Vakanz.                                          zur Geschichte, den Spezialitä-
                                                                            ten und zur Vision eines Klos-
          Die  Klosterlandschaft  Schweiz                                   ters, zu den Gegebenheiten Ge-      Haben Sie Geschwister? Ich habe  acht Jahren das Zimmer zusam-
          ist recht dürftig erforscht. Wieso                                bäude und der sie umgebenden        einen jüngeren Bruder und zwei  men geteilt und uns oft gegen-
          ist das so?                                                Bild: zVg  Stadtquartiere oder Landschaf-  jüngere Zwillingsschwestern. Sie  seitig Wärme, Trost und Gebor-
          Ja, der Begriff der Kloster-     Urs L. Steger, Präsident des Vereins   ten passen. Dafür ist es wichtig,   sind für mich das grösste Ge-  genheit gegeben, wenn unsere
          landschaft wurde in der Grün-    Kloster-Leben, möchte die Bedeutung   gute Beispiele zu sammeln  und   schenk im Leben – ein Sechser  Mutter mal wieder mit dem Le-
          dungsphase des Vereins Klos-     der Klosterlandschaft bewahren.  vor allem die notwendigen In-       im Lotto. Wie ich im Laufe der  ben überfordert war. Und dann
          ter-Leben ans Licht gebracht.                                     formationen zur Verfügung zu        Jahre feststellen musste, ist dies  nach vier weiteren Jahren kam
          Eines unserer Vorstandsmit-      Die Perspektive ist gut. Im  haben.                                  absolut nicht selbstverständ-  Verstärkung im Doppelpack: Un-
          glieder  hat  2017/2019 an der  Unterschied etwa zu Italien, wo                                       lich und ein grosses Privileg.  sere beiden Zwillingsschwestern.
          ETH Zürich zu diesem Thema  viele Klöster verlassen und ver-      Was wünschen Sie sich persön-       Geschwister liebe ist eine ein-  Die Überraschung war gross.
          eine richtungsweisende Mas-      fallen sind, weil sich die Kirchen  lich für die Klosterlandschaft   zigartige Verbindung, die man  Wir lagen in unseren Betten und
          terarbeit geschrieben. Jedes  und Behörden aus Ressourcen-        Schweiz?                            nicht kopieren oder reproduzie-  Vater weckte uns, zog die Vor-
          Kloster ist anders, sie haben  gründen fast ausschliesslich  Eigentlich alles, was in der             ren kann. Wir vier Geschwister  hänge auf und erklärte uns, dass
          verschiedene Profile als Schul-  um den Erhalt der wichtigs-      DNA des Christentums einge-         haben so eine tiefe Akzeptanz  wir  nun  zwei Geschwisterchen
          gemeinschaft  oder geschlos-     ten,  zahlreichen  Bauten  küm-  schrieben ist: Sich als Teil des    und eine tiefgreifende Liebe für-  bekommen hatten. Wir fanden
          senes Kloster, sie gehören zu  mern, haben wir in der Schweiz  Lebensraums und der Men-               einander, die man mit keiner an-  es toll. Es war für uns ein lebens-
          unterschiedlichen internatio-    eine überblickbarere Situation,  schen zu erkennen. Glaube,          deren Liebe vergleichen kann.  langer Volltreffer.
          nalen  Klostergemeinschaften  relativ gut erhaltene Bausubs-      auch wenn wir noch nicht wis-       Niemand wird mich jemals in der  So  spielte ich als Siebenjährige
          wie etwa dem Benediktineror-     tanz und eine hohe Sensibilität  sen, wie die Zukunft aussieht.      Ganzheit kennen, wie meine Ge-  nicht mehr mit Puppen, sondern
          den. Dank der Raumplanung,  für nachhaltige Entwicklung.  Grosszügigkeit, die Bedeutung               schwister es tun, noch nicht mal  mit Babys. Mutter schob mir je-
          also  dem  Blick  vom  Lebens-   Interdisziplinäre Entwicklung  der Klosterlandschaft zu be-          unsere Eltern. Wir teilen nicht nur  weils ein Baby zu und dann galt,
          raum auf die Klöster, hat sich  unter Einbezug der Frage nach  wahren und die Vision der in-          eine gemeinsame Vergangen-     es zu «schöppelen», zu wickeln, zu
          die Klosterlandschaft als be-    den Funktionen von Zentrums-     dividuellen Klöster in die Ent-     heit, sondern haben uns in jeder  beruhigen etc. Daraus entstand
          deutende Schweizer Kultur-       gebäuden für Sinn und Zusam-     wicklung einzubringen.              Lebensphase neu kennen ge-     eine ganz innige Beziehung zu
          landschaft erst erschlossen.     menhalt im gegenwärtigen ge-                                         lernt, aneinander gewöhnt und  meinen Schwestern. Sie entpupp-
                                           sellschaftlichen Umbruch wird           Interview: Corinne Remund    immer wieder eine Liebe fürein-  ten sich als starke, eigenständige,
          Was sind die grössten Heraus-    nicht nur einzelnen Klöstern                                         ander entwickelt. Unsere Biogra-  äusserst widerständige und geer-
          forderungen, wenn es um die Er-  und Kirchen eine Zukunft ge-          www.kloster-leben.ch           phien mit einer oftmals überfor-  dete Einheit, die den Familiendy-
          haltung der Klöster geht?        ben, sondern die Klosterland-                                        derten, cholerisch veranlagten,  namiken erfolgreich trotzte. Ich
          Partikularinteressen und kurz-   schaft Schweiz neu beleben.                                          narzisstischen Mutter und ei-  war ein sehr schüchternes, ängst-
          fristige Lösungen. Dies ist                                                                           nem harmoniesüchtigen, zu-     liches Kind. Sie waren – obwohl
          vergleichbar mit den Indus-           Innovationsprojekt MONA – Gönner gesucht!                       rückhaltenden aber liebenswer-  einige Jahre jünger – immer eine
          triebrachen:  Die  ersten  Ent-                                                                       ten Vater hat uns so geprägt,  starke Unterstützung und ein si-
          wicklungsprojekte machten aus     Das Innovationsprojekt MONA ist für die Klosterlandschaft Schweiz   dass wir zu einem vierblättrigen  cherer Hafen für mich. Wir vier
          Industriebrachen Lofts. Erst mit   in zweifacher Hinsicht ein Meilenstein: Erstens soll MONA dieses   Kleeblatt zusammengewachsen  Kinder verbrachten viel Zeit mit-
          der Zeit wurde geforscht und es   grossartige kulturelle Erbe gesellschaftlich sichtbar machen und da-  sind. Wir sind ein Team, das sich  einander  und  erlebten  viel  zu-
          entstanden nachhaltige, span-     durch eine zivilgesellschaftliche Sensibilisierung erreichen. Zweitens   perfekt ergänzt, und an einem  sammen. Auch später, als jeder
          nende, sozial wichtige, mul-      u. a. mittels forschungsmässiger Kartierung der Klosterlandschaft   Strick zieht – inklusive der beiden  von uns mit seinem eigenen Le-
          tifunktionale Lösungen. Das       Schweiz den ihr zustehenden Platz und wissenschaftliche Legitima-   Schwager. Eine kraftvolle Einheit  ben beschäftigt war, und seine
          Stichwort ist Mischnutzung.       tion verschaffen.                                                   ganz nach dem Motto «Unus pro  eigenen Erfahrungen machte,
          Räume können nachhaltig ent-                                                                          omnibus, omnes pro uno», zu  seine eigenen Kämpfe focht, trug
          wickelt werden, wenn ihre Idee    Die Adressaten und Nutzniesser von MONA sind Menschen, die sich     Deutsch «Einer für alle – alle für  uns unser zartes aber resistentes
          verstanden ist. Auf Mischnut-     in Forschung, Lehre und Praxis mit sakralen Arealen, ihrer Geschichte,   einen».  Dieser Leitspruch trägt  Band der Freundschaft durchs Le-
          zung angelegte Areale wie Klös-   ihrer gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung und ihren Trans-  uns zuverlässig durch unsere Le-  ben und funktionierte immer als
          ter werden, unter Einbezug des    formationschancen befassen. Das KI-gestützte MONA-Werkzeug          ben, in Krisen wie auch in guten  zuverlässiger Kitt in einem dyna-
          Sakralen, wiederum Mischnut-      eröffnet ihnen eine neue und grosse Fülle an wertvollen Informatio-  Zeiten. Solidarität und Zusam-  mischen System.
          zungen im Dialog mit der Be-      nen und Handlungsempfehlungen.                                      menhalt ist für uns alle selbst-  Und  heute:  Mutter  und  Vater
          völkerung brauchen, um auch       Mit MONA erfüllt sich für den Verein Kloster-Leben, der schon länger   verständlich. Alle sind wir abso-  sind  gestorben.  Wir  haben  ge-
          wirtschaftlich nachhaltig sein    mit dem Thema unterwegs ist, der Wunsch, das Thema in eine Rich-    lut ehrlich, loyal und grosszügig.  meinsam alles administrative
          können.                           tung zu skalieren, die Nachhaltigkeit und Werthaltigkeit garantiert.   Wir hören einander zu und be-  Notwendige mit Behördengän-
                                            Allerding sind Gönnerinnen und Gönner zur finanziellen Unterstüt-   gegnen uns auf Augenhöhe –  gen, Hausräumung, Abklärun-
          Wie sehen die Entwicklungs-       zung von MONA gesucht. Die Fundraising-Aktivitäten sind gestartet.  immer.                         gen und Nachlassregelung, etc.
          möglichkeiten der Schweizer                                                www.kloster-leben.ch       Ich bin die Älteste. Ich erinnere  in die Wege geleitet. Dabei kom-
          Klöster aus?                                                                                          mich noch genau daran, als  men die Stärken eines jeden von
                                                                                                                mein Bruder zur Welt kam: Als  uns zum Zug – bestens aufeinan-
                                                                                                                Dreijährige schaute ich durch  der abgestimmt. Unsere harmo-
                                                                                                                das Glasfenster der Babyvitrine  nische Geschwisterbeziehung
                                                                                                                im Spital Langenthal: Die Säug-  bewährt sich auch in turbulenten
                                                                                                                lingsschwester zeigte dieses  Zeiten und lebt vom Respekt vor
                                                                                                                kleine, rote, fleischige, weinende  Individualität und dem Schaf-
                                                                                                                Bündel mit den stahlblauen Au-  fen einer positiven Atmosphäre.
                                                                                                                gen. «Was machen wir nun da-   Ich bin unendlich dankbar, und
                                                                                                                mit?», war meine erste Frage an  fühle mich gesegnet, mit meinen
                                                                                                                meinen Vater. «Er gehört nun  Geschwistern (und den beiden
                                                                                                                zu uns», so die lakonische Ant-  Schwager) solche zuverlässigen
                                                                                                                wort.  47  Jahre  sind vergangen  Freunde fürs Leben geschenkt
                                                                                                                und wir haben viel miteinander  bekommen zu haben. Was kann
                                                                                                                erlebt. Als Kinder hatten wir ge-  mir so noch passieren im Leben?
                                                                                                                meinsam viel ausgeheckt, ge-
                                                                                                                spielt, manchmal gestritten, –                    Herzlichst,
                                                                                                                aber hauptsächlich hatten wir            Ihre Corinne Remund
                                                                                                                Spass. Wir haben in den ersten              Verlagsredaktorin

                                                                                                    Bild: pixabay
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