Page 7 - Basler Woche Kleinbasel - KW 30 - 2024
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DIENSTAG, 23. JULI 2024 SEITE 7
«Wir entwickeln uns zur Biernation» ANZEIGEN
Die Braubranche hat sich nach er im Rahmen der Ausbildung
Covid wieder erholt. Doch die die Lernorte, informiert Schü-
aktuelle finanzielle Lage und ler/-innen in Schulmagazinen
eine veränderte Stammtisch- über die Brauerlehre und setzt
kultur haben einen Einfluss bei der Nachwuchsrekrutie-
auf den Bierkonsum. Der Ver- rung auch auf Social-Media-Ak-
band begegnet diesen Heraus- tivitäten. «Wir fordern unsere
forderungen mit einer starken Lernenden heraus, in dem die
Berufsausbildung, einer ge- Klasse des dritten Lehrjahrs die
lebten Bierkultur, Events und Aufgabe erhält, ein Bier zum
einer aussergewöhnlichen Tag des Schweizer Bieres zu
Biervielfalt. brauen. Das heisst, die Rezeptur
entwirft, das Bier braut und ab-
Herr und Frau Schweizer trin- füllt», so Kreber. Und er ergänzt:
ken rund 54 Liter pro Kopf und «Die angehenden Bierbrauer/-
Jahr. «Der langjährige Trend innen sind die Zukunft unse-
zeigt leider nach unten», kon- rer Branche. An ihnen ist es
statiert Marcel Kreber, Direktor auch, das Wissen über das Brau-
des Schweizer Brauerei-Verban- handwerk weiterzugeben.» Je-
des SBV. Rund 50 bis 60 Braue- Bild: pixabay des Jahr bietet der SBV zudem
reien in der Schweiz brauen Herr und Frau Schweizer trinken rund den ausgebildeten Bierbrauer/-
über 1'000 Hektoliter Bier pro 54 Liter pro Kopf und Jahr: Das Bier innen der Mitgliedsbrauereien
Jahr. Diese Brauereien stehen floss gerade zur EM-Zeit in rauen Weiterbildungskurse an, sei es
für rund 98 Prozent der Schwei- Mengen. in der Automation, Arbeitssi-
zer Bierproduktion. Ein Prozent cherheit etc.
der inländischen Bierproduk- das Ausbildungsangebot zum/
tion wird exportiert und der Im- zur Schweizer Bier-Sommelier/- Aber auch den Bier-Somme-
port liegt bei 21 Prozent. ere etc. sind alles Initiativen des liers und -Sommelieren kommt
Schweizer Brauerei-Verbandes, eine grosse Bedeutung zu. «Sie
Mit dem Ende des Bierkartells um das Image des Bieres in der sind unsere Bierbotschafter/-
1991 folgte eine Zeit der Neu- Bevölkerung zu fördern und das innen. Wir starteten die Aus-
orientierung. Ab 2008 setzte Bierbrauen als jahrtausende- bildung zusammen mit Gastro-
dann eine Dynamik ein: Neue altes Kulturgut zu verankern. Suisse 2011.» Seither wurden
(alte) Biere wie India Pale Ale «Die Brauereien sind sehr inno- über 800 Bier-Sommeliers/-ie-
(IPA), Porter, Stout, Geuze etc. vativ unterwegs, wie beispiels- ren berufsbegleitend ausgebil-
wurden wieder entdeckt. Braue- weise die Rekordteilnahme am det. Mit ihren Kenntnissen über Hallo liebe Leser
reigründungen erlebten einen Swiss Beer Award 2024 zeigt, das Brauen, die Bierkultur, Sen- Kaufe: Pelze, Teppiche, Porzel-
Boom. Verzeichnete die Schweiz wo 550 Biere der Jury zur Be- sorik und Marketing beraten sie lan, Zinn, Tafelsilber, Fotoappa-
1990 noch 32 Brauereien, sind urteilung eingereicht wurden – nicht nur Gäste, sondern auch rate, Schreibmaschinen, Uhren
es heute rund 1'200. «Allerdings und dies in über 40 Kategorien. Gastronomen/-innen, wenn es Zu fairen Preisen: 076 603 81 64
hat der Boom in den letzten vier Grundsätzlich gehen wir von ge- um die Zusammenstellung einer
Jahren etwas nachgelassen. Ge- samthaft rund 140 bis 150 ver- Bierkarte oder das Kombinieren
stiegene Energie- und Rohstoff- schiedenen Biersorten aus», von Speisen mit ausgewählten
preise, Fachkräftemangel sowie sagt Kreber. Bieren geht.
eine schwächelnde Gastrono- Start zur Ausschreibung
mie als wichtiger Absatzkanal In aller Munde ist in den ver- Der bald 150-jährige Verband Freiwilligenpreis BL 2024
belasten die Brauereien», stellt gangenen Jahren das India Pale ist auch auf politischer Ebene Die Sicherheitsdirektion startet
Kreber fest. Ale (IPA). Aber auch Sauer- aktiv. Dabei geht es, sich für die Ausschreibung zum diesjäh-
biere werden immer wieder als die unternehmerische Frei- rigen Freiwilligenpreis. Die Aus-
Ein wichtiger Grund für den Geheimtipp gehandelt. Fakt ist heit einzusetzen. Alkoholhal- schreibung richtet sich an Pri-
Brauerei-Gründungs-Boom der aber, dass das Lagerbier oder tiges Bier ist ein Genussmittel, vatpersonen und Institutionen
letzten Jahre ist die liberale Ge- das Schweizer Spezialbier nach welches bewusst und verant- mit Wohn- bzw. Geschäftssitz im
setzgebung. «Wer in der Schweiz wie vor die beliebtesten Biersor- wortungsvoll konsumiert wer- Kanton Basel-Landschaft, de-
Bier braut, ist grundsätzlich ten sind. Sie stehen für rund 80 den soll. Immer wieder werden ren Engagement mehrheitlich
steuerpflichtig. Eine Ausnahme Prozent des in der Schweiz ge- aber Töne laut, welche die Wer- der Baselbieter Bevölkerung zu
bildet das Brauen für den Eigen- nossenen Bieres. Auch Interna- bemöglichkeiten beschränken Gute kommt. Nicht teilnahme-
berechtigt sind Institutionen und
konsum, welcher auf 400 Liter tional ist momentan das Helle wollen. Daneben wird bisweilen Projekte, die mehrheitlich durch
(4 Hektoliter) pro Jahr begrenzt wieder stark gefragt. Einen gros- auch ein Mindestpreis für alko- Bund, Kanton oder Gemeinde fi-
ist», so Kreber. Wird mehr ge- sen Stellenwert hat Alkohol- holhaltige Getränke gefordert. nanziert werden. Die vollständi-
braut oder das Bier verkauft, freies Bier: «Der Anteil am Ge- Wir lehnen solche Eingriffe in gen Bewerbungsunterlagen sind
setzt automatisch die Steuer- samtmarkt wächst seit einiger die Wirtschaftsfreiheit klar ab», bis 30. September 2024 an die
pflicht ein, mit der Konsequenz, Zeit kontinuierlich. Aktuell sind bringt es der SBV-Direktor auf Sicherheitsdirektion, Generalse-
dass die Brauerei – und mag sie es gegen sieben Prozent.» den Punkt. Mit den gestiegenen kretariat, Rathausstrasse 2, 4410
noch so klein sein – im Verzeich- Energie-, Rohstoff- und Beschaf- Liestal mit Kennwort «Preis für
nis der steuerpflichtigen Inland- Innovative Förderung fungspreise sowie dem Fach- Baselbieter Freiwilligenarbeit im
brauereien geführt wird. Somit des Nachwuchses kräftemangel weht ein bissiger Sozialbereich» einzureichen.
finden sich auf der Liste der re- Die Ausbildung zum/zur Bier- Wind in der Branche. Die ge- Die Übergabe der Preissumme
gistrierten Brauereien auf der brauer/-in und die Förde- trübte Konsumentenstimmung, von insgesamt 8'000 Franken für
einen Seite die grossen Namen rung des Nachwuchses ist ein das veränderte Konsum- und Vereine und 2'000 Franken für
der Braubranche und auf der Schwerpunkt des Verbandes. Ausgangsverhalten und das Ver- Einzelpersonen findet am Mitt-
anderen Seite die Kleinstbraue- Der Beruf des/der Lebensmit- schwinden der Stammtischkul- wochabend, 4. Dezember 2024,
reien aus dem Nachbarsdorf. teltechnologe/-in Schwerpunkt tur sind weitere Herausforde- in Reinach statt. pd
Bier EFZ – ab 2025 lautet die rungen.
Gelebte und innovative Berufsbezeichnung Brau- und
Bierkultur Getränke-technologe/-in EFZ – Doch die Zukunftsaussichten EMPFEHLUNG
«Die Schweiz entwickelt sich ist gefragt. Gemäss Kreber ist der Branche ist trotz einigen
zu einer Biernation. Die letz- allerdings die Herausforderung, Hürden gross. «Vor allem im
ten 20 Jahre haben wir alle eine die Lehre den Schülern und de- Bereich der alkoholfreien Biere
riesige Entwicklung durchge- ren Eltern auch bekannt zu ma- liegt noch viel Potential.»
macht. Wir entdecken das Bier chen. «Vielfach wissen noch
nicht nur als Durstlöscher, son- viel zu wenige Lehrpersonen, Corinne Remund
dern auch als Essensbeglei- Jugendliche aber auch Eltern
ter und Kulturgut», sagt Kre- um die Möglichkeit der Brau-
ber. Die Bierkultur wird gelebt. erlehre. Hier müssen wir an- www.bier.swiss
Der Tag des Schweizer Bieres, setzen.» Der Verband ist indes-
der Swiss Beer Award, der Bier- sen sehr aktiv in der Aus- und
orden «ad gloriam cerevisae», Weiterbildung. So koordiniert
Bild: pixelio.de

