Page 10 - Basler Woche Grossbasel - KW 50 - 2024
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SEITE 10 MITTWOCH, 11. DEZEMBER 2024
Stärkung der Gemeinschaft für alle Einwohner Jerusalems
Die Jerusalem Foundation wurde 1966 von Teddy Kollek, dem heiten die Region prägen, ist es
legendären Bürgermeister von Jerusalem, gegründet. Heute ist wichtiger denn je, Projekte fort-
der ursprüngliche Auftrag der Stiftung angesichts der Ausein- zuführen und zu stärken, die
andersetzung im Nahen Osten aktueller denn je. Die Jerusalem Brücken zwischen Juden, Mus-
Foundation hat ein Modell für ein kultur- und gemeinschafts- limen und Christen bauen.
übergreifendes Engagement aller Bevölkerungsgruppen – Ju- Die Jerusalem Foundation leis-
den, Moslems und Christen – in der Stadt geschaffen. tet durch ihre Projekte einen
unschätzbaren Beitrag zu einer
Brücken bauen zwischen den Sprachen – hebräisch ara- offenen, respektvollen und
Kulturen in Jeursalem bisch gleichzeitig – unterrichtet friedlichen Stadtgesellschaft,
In der Stadt Jerusalem, einem wird. Ebenso werden alle Fest- die über genügend Begegnungs-
historischen Zentrum der Reli- tage beider Religionen gemein- räume verfügt.
gionen und Kulturen, arbeiten sam gefeiert und deren Bedeu- Von der Bildung über den Sport
Juden, Muslime und Christen tung erklärt. bis hin zur Führungskräfteent-
daran, ein gemeinschaftliches Diese Schule ist damit nicht Bild: zVg wicklung trägt die Stiftung ent-
Miteinander zu leben. Die Jeru- nur ein Ort der Bildung, son- Einweihung des Gymnasiums der Hand-in-Hand Schule im Frühling 2022. scheidend dazu bei, ein Jeru-
salem Foundation, eine gemein- dern auch ein Raum, in dem salem zu gestalten, in dem alle
nützige Organisation mit Haupt- Vorurteile abgebaut und lebens- investiert die Jerusalem Foun- und das Wissen vermitteln, um Gemeinschaften eine gemein-
sitz in Jerusalem, setzt sich lange Freundschaften über kul- dation auch gezielt in die Sport- als Brückenbauer in ihrer Ge- same Zukunft aufbauen können.
dafür ein, durch kulturelle und turelle Grenzen hinweg ge- infrastruktur der Stadt. So wird sellschaft zu wirken. Durch die-
soziale Projekte Brücken zwi- knüpft werden. Die Hand in im Ostteil Jerusalems ein neues ses Leadership-Programm soll Hans-Ulrich Bigler,
schen diesen Gemeinschaften zu Hand-Schule verdeutlicht, wie Hallenbad gebaut, das einen Ort eine neue Generation heran- Präsident Jerusalem Founda-
bauen. Die Stiftung fördert Ini- Bildung ein wirksames Mit- für gemeinsame sportliche Akti- wachsen, die sich dem Dialog tion Switzerland
tiativen, die Menschen verschie- tel sein kann, um gegenseitiges vitäten und Begegnungen schaf- und dem gemeinsamen Aufbau
dener Herkunft zusammenbrin- Verständnis zu fördern und das fen soll. Diese Investition in die einer friedlichen Zukunft ver-
gen und Jerusalem als Stadt der Fundament für ein friedliches Infrastruktur ist ein weiterer schrieben hat. Das Programm
Vielfalt und des friedlichen Zu- Zusammenleben zu legen. Schritt zur Förderung der sozia- wird in Andenken an den letz- SO KÖNNEN SIE HELFEN
sammenlebens stärken. len Integration und des gegen- ten Präsidenten, Shai Doron,
Begegnung auf Augenhöhe seitigen Verständnisses. der unerwartet im Sommer im Möchten Sie die friedensför-
dernde Arbeit der Jerusalem
Ein bedeutendes Beispiel dieser dank Sport Amt verstarb. Foundation unterstützen? Die
Arbeit ist die Unterstützung der Ein weiteres Projekt der Jerusa- Leadership-Training Jerusalem Foundation Swit-
Hand in Hand-Schule, die durch lem Foundation ist das «Sports für Brückenbauer Jerusalem Foundation zerlandermöglicht es, gezielt
grosszügige Unterstützung des as a Tool»-Programm. Dieses Auch die Zukunftspläne der für eine gemeinsame Zukunff Projekte zu fördern, die Juden,
Bundes unter Federführung der nutzt Sport als verbindendes Jerusalem Foundation tragen Die Jerusalem Foundation Swit- Muslime und Christen in Jeru-
DEZA sowie Spenden in Millio- Element, um die Jugendlichen das Ziel des Brückenbauens in zerland unterstützt diese Pro- salem zusammenbringen.
nenhöhe aus der Schweiz geför- Jerusalems zusammenzubrin- sich. In den kommenden Jah- jekte mit grossem Engagement.
dert wurde. Gestartet wurde mit gen. In gemeinsamen sportli- ren wird ein Leadership-Pro- Die Schweizer Stiftung trägt Für mehr Informationen und
Räumlichkeiten für eine Grund- chen Aktivitäten lernen Kinder gramm entwickelt, das darauf dazu bei, die notwendigen Mit- um eine Spende zu tätigen, be-
schule inkusive Oberstufe. Im und Jugendliche aller Religio- abzielt, die nächsten Genera- tel für diese bedeutenden In- suchen Sie die Webseite der Je-
Frühling 2022 konnte zusätzlich nen und Hintergründe, sich auf tionen von Führungspersönlich- itiativen bereitzustellen und rusalem Foundation (www.je-
ein neues Gymnasium eröffnet Augenhöhe zu begegnen und als keiten in Jerusalem zu formen. ein Bewusstsein für die Arbeit rusalemfoundation.org). Jede
werden, in dem jüdische, musli- Team zusammenzuarbeiten. Dieses Programm wird gezielt der Jerusalem Foundation auch Unterstützung trägt dazu bei,
mische und christliche Schüle- Sport spielt eine wichtige Rolle junge Talente aus den verschie- international zu schaffen. Ge- eine gemeinsame Zukunft in
Jerusalem zu gestalten.
rinnen und Schüler gemeinsam in der kindlichen und jugend- denen Gemeinschaften anspre- rade in der heutigen Zeit, in
lernen. Speziell ist, dass in bei- lichen Entwicklung – deshalb chen und ihnen die Fähigkeiten der Spannungen und Unsicher-
«Hansli bringt Leben in die Schule!»
«Hansli kann keine fünf Minu- 2024) ihre Haltung zu Kindern und stellt für viele Lehrperso- meinden die Möglichkeit haben,
ten ruhig sitzen. Er stört die mit besonderem Förderbedarf: nen eher eine Belastung als eine flächendeckend solche erwei-
Klasse und redet ständig über «Ich schätze verhaltensauffäl- Entlastung dar. terten Lernräume zu schaffen
die Kühe im Stall zu Hause. Er lige Kinder, die keine gradlinige Vor diesem Hintergrund plä- und die dafür notwendigen Mit-
ist eine Ablenkung! Ab sofort Schullaufbahn durchlaufen.» dierte in Zürich ein überpar- tel aufgestockt würden.
darf er die Schule nicht mehr Aufgrund zahlreicher solcher teiliches Komitee aus dem Dieses Projekt steht und fällt
besuchen.» Mit diesen ent- Schülerinnen und Schüler Mitte-rechts-Spektrum für eine nämlich aktuell mit den finan-
schiedenen Worten bestimmte wurde in Höngg vor elf Jahren Systemänderung und startete ziellen Möglichkeiten einer Ge-
eine Primarlehrerin im Em- eine der ersten «Schulinseln» eine Volksinitiative: Kinder, die meinde und dem Engagement
mental um 1940 das Schick- ins Leben gerufen. Sie bietet den Unterricht erheblich stö- der Verantwortlichen sowie
sal meines Onkels Hansli. diesen Kindern die Möglich- ren, sollen Zugang zu heilpäd- dem geeigneten Fachpersonal.
Seine Klassenkameraden be- keit, in einem separaten Raum agogisch geführten Förderklas- Gut funktionierende Lerninseln
dauerten diese Entscheidung Bild: Wahlfach-Klasse Fotografie Sek Mettmenstetten unter fachkundiger Betreuung sen erhalten. Diese könnten auf wie in Höngg oder der Sekun-
zutiefst und meinten: «Hansli Die «Schulinsel» ist ein Ort, wo indi- zu lernen, was den Unterricht Beschluss der Schulpflege zu- darschule Mettmenstetten sind
bringt Leben in die Schule!» viduell Schulstoff bearbeitet werden in den Regelklassen deutlich sammengestellt werden. Solche heute vielerorts noch Wunsch-
kann und schwierige oder schwä- entlastet. Förderklassen würden nicht nur denken. Mit dem Gegenvor-
Heute wäre Hansli vermutlich chere Schülerinnen und Schüler von Doch reicht dieses Modell der die Regelklassen entlasten, son- schlag des Zürcher Regierungs-
als verhaltensauffälliges Kind einer Fachperson betreut werden. «Schulinsel», um die Lehrper- dern könnten auch den betrof- rates bekämen sie eine echte
eingestuft worden und hätte sonen im herausfordernden fenen Kindern zugutekommen, Chance.
sonderpädagogische Förderung um den Ansprüchen gerecht zu Schulalltag wirklich zu entlas- die oft mit ihrem Sonderstatus Hansli, mein Onkel, hätte eine
erhalten. Die Schullandschaft werden. Silvia Steiner, Bildungs- ten? Wäre es möglicherweise und der ständigen Begleitung solche Option vermutlich will-
hat sich seither grundlegend direktorin des Kantons Zürich, sinnvoller, erneut kleinere För- durch Fachpersonal in Regel- kommen geheissen. Da ihm je-
verändert: Wo früher der Fron- setzt sich seit Langem dafür derklassen für verhaltensauffäl- klassen Schwierigkeiten haben. doch damals jegliche Schulbil-
talunterricht dominierte, prä- ein, die Lehrerschaft zu entlas- lige Kinder einzuführen? Denn In kleineren Förderklassen dung verwehrt blieb, lernte er
gen heute Reformen und neue ten, bleibt jedoch dem Grund- in der Praxis entstehen durch könnten die Bedürfnisse dieser nie lesen und schreiben. Ange-
Erziehungsmodelle den Alltag. modell der integrativen Förde- solche Massnahmen häufig zu- Schüler gezielter berücksichtigt sichts der heute zur Verfügung
rung verpflichtet. Dieses Modell, sätzliche Unterbrechungen im werden. stehenden Mittel für Förder-
Lehrpersonen stehen mittler- vor etwa einem Jahrzehnt ein- Unterricht. Die betroffenen Ende Oktober hat der Zürcher massnahmen sollte das Schul-
weile vor vielfältigen Herausfor- geführt, sieht vor, dass alle Kin- Schülerinnen und Schüler müs- Regierungsrat nun einen Gegen- system offen sein für neue und
derungen – nicht nur in päda- der in Regelklassen unterrichtet sen entweder von der Lehrper- vorschlag zur «Förderklassen- bewährte Modelle, um jedem
gogischer und disziplinarischer werden und die Lehrpersonen son zur «Schulinsel» geschickt Initiative» präsentiert. Mit dem Kind die Unterstützung zu bie-
Hinsicht, sondern auch durch bei Bedarf von Fachpersonal oder direkt im Klassenzimmer Gegenvorschlag soll die gesetz- ten, die es wirklich benötigt.
den Einfluss unterschiedlicher unterstützt werden. von einer Schulassistenz oder liche Grundlage geschaffen wer-
kultureller Hintergründe. Neben Seraina Galeffi von der Schule Heilpädagogin betreut werden. den, damit «erweiterte Lern- Erika Bigler,
fachlichem Wissen benötigen Rütihof in Höngg beschreibt in Dies führt zu einem hohen Ab- räume» die Regelklassen und Sekundarlehrerin und
sie immer mehr psychologi- einem Interview mit dem Ta- stimmungsaufwand zwischen Lehrpersonen entlasten. Zu- Präsidentin für
sche und soziale Kompetenzen, ges-Anzeiger (5. September Lehrkräften und Fachpersonal künftig sollten alle Zürcher Ge- zeitgemässes Lernen

